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Learning Toolbox Chronik (Deutsche Version), Jahrgang 1, 2014 – Überblick

Sammlung von Artikeln über Pilotaktivitäten des 1.und 2. Jahres des Learning Layers Projekts im Bausektor

Pekka Kämäräinen

Learning Toolbox Chronik (deutsche Version), Jahrgang 1 berichtet über die Anfangsphase  der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Learning Layers Projekts.

Artikel 1/2014 Von “Sharing Turbine” zum aktuellen Konzept “Learning Toolbox”

Der erste Artikel beschreibt die Evolution einer Co-Design Prozess von der ursprünglichen Idee “Sharing Turbine” (Digitalisierung der papierbasierten Lernmaterialien und Arbeitsdokumenten) zum aktuellen Initiative “Learning Toolbox” (flexible Werkzeugkasten, um digitale Media und Web Tools zu steuern).

Artikel 2/2014 Das Projekt stellt die “Learning Toolbox” bei den Brunnenbauertagen vor

Der zweite Artikel gibt Einblicke in die intensive Promotionskampagne, mit der die Mitglieder des Learning Layers Projekts die Learning Toolbox an den Brunnenbauertagen im Bau-ABC Rostrup (Mai 2014) vorgestellt haben.

Artikel 3/2014 Das Demo Camp stellt die Learning Layers Tools Auszubildenden und Lehrwerkmeistern vor

Der dritte Artikel beschreibt eine ähnliche Promotionskampagne ‚Demo Camp’ für Auszubildende und Lehrwerkmeister  während des Meetings des Learning Projekts im Bau-ABC Rostrup (Juni 2014).

Artikel 4/2014 Das Projekt geht voran mit Verbreitungsaktivitäten und Pilotworkshops

Der vierte Artikel gibt Einblicke in Gespräche mit Firmenvertretern an die NordBaumesse und in Workshops mit Baubetrieben in Bremen.

Kurz danach hat das Bau-ABC Team eine Reihe von Videos über Anwendungsmöglichkeiten der Learning Toolbox in der Ausbildung and in verschiedenen Arbeitssituationen produziert, s.

LTB Videos vom Bau-ABC Team (2014) – Überblick

 

Artikel 4/2014 Das Projekt geht voran mit Verbreitungsaktivitäten und Pilotworkshops

Pekka Kämäräinen

Dieser Artikel ist der letzte in einer Reihe zu Co-Design und Nutzereinbindung im Learning Layers Projekt im Bausektor. Er beschreibt zwei jüngere Maßnahmen zur Verbreitung der Projektarbeit und der Ergebnisse des Projekts. Zuerst wird über den Besuch des Projektteams auf der grossen norddeutschen Fachmesse NordBau berichtet. Danach kommt ein Bericht über die Pilotworkshops von Learning Layers Tools mit zwei interessierten Handwerksbetrieben.

Learning Layers besucht die Fachmesse NordBau

Die jährliche NordBau Fachmesse in Neumünster, nahe Hamburg, ist die grösste Fachmesse für den Bausektor in Norddeutschland. Die Messehallen stellen eine Vielzahl an Produkten, Werkzeugen, Materialien und Dienstleistungen vor. Die Ausstellungsbereiche ausserhalb der Messehallen sind voll von riesigen Machinen und Geräten aller wichtigen Hersteller. Das Bau-ABC ist natürlich ein Stammgast, weil diese Veranstaltung eine gute Gelegenheit anbietet, mit den Firmen Terminvereinbarungen und Kooperationspläne zu machen. Diesmal wurde entschieden, dass auch die Projektleiterinnen Melanie Campbell und Kerstin Engraf sowie  ich als Projektmitarbeiter von Learning Layers die Fachmesse besuchen. Unser Kurzbesuch wurde von den Lehrwekmeistern Grewe und Schütte vorbereitet, die von Anfang an an dieser Fachmesse teilgenommen hatten. Wir hatten vereinbart, dass wir zuerst die Ausstellungen der ICT-Dienstleistungsanbieter besuchen, um dann mit den Herren Grewe und Schütte an deren Gespräche mit ausgewählten Firmenvertretern teilzunehmen.

LL-Team_visits_NordBau

Wir waren besonders interessiert herauszufinden, ob und inwiefern die ausstellenden ICT-Anbieter über ähnliche Tools bzw. Apps für Facharbeiter (und deren Vorgesetzte an der Baustellen) verfügen und welche Rolle die Anwendung von mobilen Geräten dabei spielt. Diesbezüglich bemerkten wir, dass sehr wenige Aussteller mobile Apps vorgestellt haben  – und auch die waren eher auf andere Zielgruppen (z.B. Architekten oder Firmenleiter) fokussiert.

Der zweite Teil unseres Besuchs bestand aus kurzen Besuchen und Gesprächen in den Ausstellungsbereichen der Maschinenhersteller. Insgesamt besuchten wir die Ausstellungen von sechs solcher Firmen: Liebherr, Wirtgen Group, TractoTechnik, Vetter GmbH Kabelverlegetechnik, Tramann + Sohn, Wacker Neuson. Diese Besuche waren von Herrn Grewe organisiert und Teil des normalen Austauschs zwischen Bau-ABC und den Herstellern auf den Fachmessen. Diesmal hatten wir einen zusätzlichen Schwerpunkt, die Diskussionen über das Projekt Learning Layers und insbesondere über die Learning Toolbox. Für das Projekt war es wichtig, dass das Bau-ABC die Verbreitung der Learning Toolbox (und die Werbung der Firmen für die Teilnahme an Pilotmassnahmen) in ihre Geschäftsbeziehungen integriert hat.

Pilotworkshops mit den Handwerkbetrieben gehen voran

Gleichzeitig machte das ITB Fortschritte mit den Pilotworkshops für Handwerksbetriebe im Bausektor. Der erste Pilotworkshop wurde als follow-up Massnahme früherer Aktivitäten des Projekts geplant. Anstatt solche Workshops für eine grössere Gruppe von Unternehmen anzubieten,  hatten wir zuerst entschieden, mit einem kleinen Pilotworkshop anzufangen. Wir hatten zwei Betriebe eingeladen, die wir in der Anfangsphase des Projekts interviewed hatten und die auch über gute Kontakte zu den Praxispartnern des Projekts (Agentur und Bau-ABC) verfügen.

Die Firma K ist ein Zimmererbetrieb mit 36 Beschäftigten. Die Firma ist mitbeteiligt am Netzwerk Nachhaltiges Bauen und an mehreren fachspezifischen Netzwerken. Die Firma K war ein Pionier in der Entwicklung von betriebsspezifischen Apps und ist dabei, Tablet PCs für Teamleiter einzuführen. Gleichzeitig legt die Firma besonderen Wert darauf, dass die Einführung neuer ICT-Tools nicht zu einer Kommunikationslücke unter den Mitarbeitern führt. Die Firma hat eine Tradition von regelmässigen Meetings für Qualitätsfragen (QT-Runde).

Die Firma W ist eine  mittelgrosse Firma mit ca. 430 Beschäftigte im Rohrleitungsbau. Die meisten Mitarbeiter arbeiten in Kolonnen, die aus zwei oder drei Facharbeitern bestehen. Die Firma hat eine längere Kooperation mit dem Bau-ABC entwickelt. Die Firma W war auch ein Pionier in der Einführung von Digipens und Mobile Offices (Laptops mit Internetanschluss) für die Kolonnen sowie mit zentralen Datenbanken. Rückblickend zeigt es sich, dass nicht alle diese Investitionen zur Produktivitätssteigerung beitrugen. Insbesondere zeigt es sich, dass  durch die Verfügbarkeit solcher Tools mehr Zeitaufwand für Recherchen und Suchaktionen mit sich brachte. In der Firmenzentrale gibt es zentrale Datenbanken und die Firmenleitung ist informiert über Wissensmanagement und Datenschutz. Betreffend Wissensaustausch und Erfahrungsaustausch zwischen den Teams gibt es wenig Chancen zu face-to-face Meetings, und deshalb wären digitale Lösungen von Interesse.

LTB_Customised_Company-content

Im Workshop gaben wir zuerst einen Überblick über die aktuelle Phase des Projekts Learning Layers. Dann wurden die Firmen eingeladen, über die Anwendungen der ICT, Web Tools und digitaler Medien (einschliesslich die Anwendung von mobilen Technologies) zu erzählen. Danach hatten wir eine Demonstration der Learning Toolbox als Werkzeugkasten, um die Anwendung von Webressourcen und Apps mit einem mobilen Gerät zu steuern. Anschließend versuchten wir, besondere Situationen zu identifizieren, in denen firmenspezifische Pilotmaßnahmen mit der Learning Toolbox vom Nutzen wären.

Abschliessende Bemerkungen

Für das Projekt war diese Veranstaltung ein kleiner aber wichtiger Schritt voran. Beide Betriebe haben den Einstieg in die künftigen Pilotaktivitäten gefunden. Für die Firma K ging es mehr um firmeninterne Kommunikation und Wissensaustausch sowie um bessere Chancen, an einer nationalen Netzwerkkooperation teilzunehmen. Für die Firma W ging es um facharbeitergerechten Zugriff auf Qualitätshandbücher und Richtlinien (die unter den Behörden bzw. Netzanbietern unterschiedlich gestaltet sind).

Insgesamt waren beide Firmen bereit, die Kooperation mit dem Projekt fortzusetzen und in einer firmenspezifischen Phase mit weiteren Pilotworkshops einzusteigen. So zeigt sich, dass wir mit den jüngsten Aktivitäten die Praxispartner und die Firmen dazu gebracht haben, sich die Pilotmassnahmen als eigene Initiativen zu eigen zu machen.

Learning Toolbox (LTB) Chronik, Jahrgang 1, 4/2014

Artikel 3/2014 Das Demo Camp stellt die Learning Layers Tools Auszubildenden und Lehrwerkmeistern vor

Pekka Kämäräinen

Dieser Artikel ist der dritte in einer Reihe zu Co-Design und Nutzereinbindung im Learning Layers Projekt im Bausektor. Er beschreibt unsere Erfahrungen mit einer deutschsprachigem “Demo Camp”-Veranstaltung. Wir haben einige Learning Layers Tools in sehr kurzen Workshops mehreren Gruppen von Auszubildenden und Lehrwerkmeistern vorgestellt, um Feedback für die weitere Entwicklung einzuholen.

Die Demo Camp Veranstaltung und das Arrangement der Workshops

Die Demo Camp Veranstaltung wurde gleichzeitig mit dem Leaning Layers Konsortiummeeting im Bau-ABC in Röstrup organisiert. Wir stellten folgende Tools vor:

  • Die Learning Toolbox als Werkzeugkasten, um digitale Lernressourcen, Apps und Web-Inhalte zugänglich zu machen;
  • BauBildung.net als gemeinsamem Plattformsupport für sektorale Initiativen und Foren, um Lernen im Bausektor zu unterstützen;
  • Das AchSo!-Tool für Produktion und Annotation von Kurzvideos;
  • Das Bits and Pieces-Tool als Sammler und Organisierer arbeits- bzw. berufsbezogener (informeller) Lernerfahrungen.

Wir gestalteten den Raum mit vier Demonstrationsstationen in den Ecken. Alle Stationen waren mit Flipcharts bzw. Pinnwänden ausgerüstet, um Feedback zu sammeln. Bei der Vorstellung des AchSo!-Tools wurden auch Tablets benutzt, so dass jede interessierte Person eigene Videos herstellen und annotieren konnte. Die Gruppenbesuche wurden als eine Art Karussel-Workshop organisiert, so dass die Gruppen alle vier Stationen durchliefen.

DemoCamp_Overview

Auf diese Weise konnten wir Besuche von 85 Auszubildenden, 10 Lehrwerkmeistern und 5 weiteren Personen aus Bau-ABC, ABZ Mellendorf und Agentur ökologisches Bauen akkomodieren. Unten wird unsere Arbeitsweise und die Erfahrungen am Beispiel der Station “Learning Toolbox” dargestellt.

Erfahrungen mit der Station “Learning Toolbox”

Die Station mit der Learning Toolbox begann mit einer kurzen Power Point Präsentation ergänzt von einer Demoversion einer mobilen App (S. die PPT-Präsentation hier: https://docs.google.com/file/d/0B02cXf0hbQH0eVFOTlQ2R0ZvYm8).

Zuerst wurden die Kachelstrukturen, die Funktionalitäten und die Möglichkeiten für berufs- und betriebsbezogene Anpassungen vorgestellt. Mit den vorhandenen Prototypen wurde das Einlesen von QR-Codes sowie die Handhabung markierter Dokumente gezeigt.

Wir demonstrierten auch, wie existierende Textdokumente mit Hilfe von Learning Toolbox und eingebautem Scanner in interaktive Dokumente konvertiert werden können. Als Beispiel wurde die Brunnenbauer-Fibel der Firma Stüwa und eine exemplarische Prozessbeschreibung (Filterkiesbestimmung) benutzt, um eine solche Konversion durchzuführen.

DemoCamp_LTB_Carpenters

Dann stellten wir drei Fragen und sammelten die Antworten auf Pinnwänden:

  • In welchen Arbeitssituationen (und mit welchen Werkzeugen) möchten Sie die Learning Toolbox anwenden?
  • Welche Lernmaterialien bzw. Lerneinheiten wären Ihrer Meinung nach geeignet, um mit interaktiven Lerninhalten (und mit der Learning Toolbox) bearbeitet zu werden?
  • Welche Dokumente des Weissen Ordners des Bau-ABC möchten Sie mit Hilfe der Learning Toolbox digitalisieren?

Überlegungen über das Feedback

Wir bekamen relativ unterschiedliche Antworten von Gruppen, die verschiedene Gewerke repräsentieren. In einigen Gruppen waren die Lehrwerkmeister auch als aktive Teilnehmer in der Diskussion dabei. Insgesamt hat es diese Veranstaltung ermöglicht, die Learning Layers Tools einer grösseren Menge von Lehrwerkmeistern und Auszubildenden vorzustellen als jemals zuvor. Und obwohl wir diese Veranstaltung im Eiltempo durchführen mussten, gelang es uns, Feedback zu mehreren Tools gleichzeitig zu sammeln.

Wir erhielten folgende Eindrücke:

  • Die Gruppen der Zimmerer und Brunnenbauer waren besonders engagiert, die Nutzung der Learning Toolbox in ihren jeweiligen Gewerken zu diskutieren. Das hat uns besonders ermuntert, weitere Co-designaktivitäten mit diesen Berufsgruppen zu entwickeln.
  • Die Auszubildenden waren überzeugt, dass die Wissen um die Möglichkeiten solcher Tools wie der Learning Toolbox auch zu einer breiteren Akzeptanz von Smartphones beiträgt. Diese Tools werden als lernfördernd und arbeitsrelevant im Bausektor wahrgenommen.
  • Immer wenn Beispiele aus beruflichen Arbeitsprozessen präsentiert wurden wie das oben erwähnte Beispiel Filterkiesbestimmung mit den Brunnenbauern, konnten wir eine höhere Motivation und Engagement entdecken.
  • Auch die Erfahrung, dass die Anwender die Tools als benutzerfreundlich erlebten (wie z.B. in der Station von AchSo), verstärkt die Akzeptanz der Tools.

Learning Toolbox (LTB) Chronik, Jahrgang 1, 3/2014

Artikel 2/2014 Das Projekt stellt die “Learning Toolbox” bei den Brunnenbauertagen vor

Pekka Kämäräinen

Dieser Artikel ist der zweite in einer Reihe zu Co-Design und Nutzereinbindung im Learning Layers Projekt im Bausektor. Er behandelt die Teilnahme an den Brunnenbauertagen, einer großen vom Bau-ABC Rostrup ausgerichteten Fachmesse.

Einbindung von Stakeholdern während der Brunnenbauertage

Im Mai 2014 war das Learning Layers Projekt bei den Brunnenbauertagen (der jährlichen Fachtagung im Brunnenbau) aktiv. Als eine Fachmesse der Brunnenbauer hat die Tagung Brunnenbauertage eine lange Geschichte. In diesem Rahmen organisiert das Bau-ABC jedes dritte Jahr eine Fachausstellung. Nach einem zu Anfang eher bescheidenem Beginn (nur fünf Aussteller), hat dieser Teil der Veranstaltung seitdem an Gewicht gewonnen. Diesmal gab es über100 Aussteller mit Ständen oder mit grösseren Ausstellungsbereichen. Laut Bau-ABC gab es insgesamt ca 650 Teilnehmer (einschliesslich der Aussteller).

Brunnenbauertage_Foyer

Während der Veranstaltung waren wir an folgenden Aktivitäten mitbeteiligt:

  • Es gab Fachtagungen und Workshops über spezifische Themen der Bautechniken.
  • Die Ausstellungsstände waren in einem riesigen Ausstellungszelt versammelt. In diesem Raum fanden auch die Foyervorträge statt. Das Learning Layers Team hatte einen Ausstellungsstand, an dem das Projekt sowie die Learning Toolbox in einer Foyerpräsentation vor ca. 300 Teilnehmern vorgestellt wurde.
  • In mehreren Werkstatthallen und in den Aussenbereichen gab es gewerkspezifische Demonstrationen der Maschinenhersteller mit unterschiedlichen Bohrgeräten.

Mehr Information über die Veranstaltung bietet die Webseite http://www.brunnenbauertage.de.

Diskussionen mit interessierten Betriebe

Insgesamt waren die drei Tage von mehreren Vorführungen und Gesprächen geprägt – sowohl am Informationsstand als auch in kleineren Gesprächskreisen. Besonders enger Kontakt ergab sich zu sieben Betrieben und zwei Fachhochschulen.

Brunnenbauertage_Stall

Unten gibt es eine kurze Zusammenfassung dieser Gespräche:

a) Gespräche mit Betrieben, die interessiert sind, Web und Multimedia in der Ausbildung zu nutzen

Einige Unternehmer betonten die Rolle der digitalen Medien, Web 2.0 Tools und insbesondere die Anwendung von Videomaterialien. Sie haben über ihre Erfahrungen mit jungen Auszubildenden, die ungern Texte lesen, aber eher engagiert sind, die Motivation, neue Medien als Unterstützung zum Lernen zu nutzen. Gleichzeitig erwähnten sie, dass es einzelnen Betrieben allein nicht möglich war, solchen Herausforderungen zu begegnen. Deshalb plädierten sie für eine Kooperation aus mehreren Interessierten, die solche Dienstleistungen für Betriebe anbieten können.

b) Gespräche mit Betriebe, die über gemeinsame Trainingsmaßnahmen mit dem Bau-ABC kooperieren

Einige Betriebe erzählten von ihrer intensiven Zusammenarbeit mit dem Bau ABC. In manchen Fällen ist eine solche Kooperation auf Zusammenarbeit zwischen konkurrierenden Betriebe aufgebaut, die jedoch von gemeinsamen Trainingsveranstaltungen mit dem Bau-ABC profitieren können. Auf diese Weise hat das Bau-ABC eine herstellerneutrale Position bekommen. Deshalb sind die Hersteller eher interessiert, gemeinsame Trainingsmaßnahmen zu initiieren, um die Beteiligung ihrer Mitarbeiter als Gastdozenten zu optimieren und die Lerngewinne der Teilnehmer zu maximieren. Angesichts solcher Kooperation ist die Anwendung der Learning Toolbox im Rahmen gemeinsamer Trainingsangebote für weitere Zielgruppen möglich.

c) Betriebe mit Interesse an betriebsspezifischem (vernetzten) Wissensaustausch

Einige Betriebe waren besonders auf internationalen Märkten engageirt. In solchen Firmen machte man die Erfahrung, dass es den Kaufleuten und Produktionseinheiten an Tools mangelt, die Erfahrungs- und Wissensaustausch in Echtzeit ermöglichen. Auch waren sie sich dessen bewusst, dass ihre Handbücher und Arbeitsdokumente als dicke Papierdokumente unübersichtlich und in konkreten Arbeitssituationen kaum handhabbar sind. Gleichzeitig sind solche Firmen besonders  an Fragen zum Datenschutz interessiert. Betreffend der mobilen Geräte äußerten manche Firmen Sorgen wegen der geringen Anwendbarkeit von Smartphones mit kleinen Bildschirmen.

Gespräche über Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Bildungseinrichtungen

Wir haben im Projekt die zentrale Rolle der Bau-ABC als Multiplikator der Innovationen in der beruflichen Erstausbildung betont. Die Erfahrungen in den Brunnenbauertagen haben für uns deutlicher gemacht, wie wichtig die Rolle der Bau-ABC auch in der Weiterbildung und in der informellen Mitarbeiterqualifizierung ist. Das hat eine besondere Bedeutung für die Verbreitungsmaßnahmen und für die Nachhaltigkeitsstrategie:

a) Die Rolle des Bau-ABC als “Innovation Hub” für sowohl die Erstausbildung als auch die Weiterbildung

In der Projektarbeit hatte man zunächst auf der “Innovation Hub”-Rolle des Bau-ABC in der Erstausbildung und als einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte aufgebaut. Angesichts der grossen Anzahl von erforderlichen Zertifikaten in der Weiterbildung und angesichts der beschränkten Zeit für Präsenzveranstaltungen gibt es eine grosse Nachfrage für berufsbegleitendes e-Learning und berufsbezogene Lernhilfen für selbstorganisiertes Lernen. In diesem Zusammenhang kann das Bau-ABC mit anderen Weiterbildungsträgern, interessierten Firmen und Verbänden Zusammenarbeit entwickeln.

b) Die Rolle der Fachhochschulen mit Dualen Studien

Zwei Fachhochschulen (Ostfalia and TFH Bochum) haben uns über ihren Studienangebote informiert, die eine Schnittstelle zwischen beruflicher und akademischer Bildung darstellen. Dies kann in den Programmen der Dualen Studien stattfinden (die berufliche Qualifikationen neben Hochschulstudien vermitteln) oder im Kontext längerer Praxissemester. Wir erfuhren, dass die Fachhochschulen dabei waren, ihre Praxisstudien sowie e-Learning Angebote in einer integrativen Richtung zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit dem Bau-ABC und mit Hilfe von Tools wie der Learning Toolbox haben sie bessere Chancen, solche Studienangebote zu entwickeln. Insgesamt hat die Beteiligung des Projektteams an den Brunnenbauertagen verschiedene Kooperationsmöglichkeiten eröffnet, um die Learning Toolbox (und andere Tools des Learning Layers Projekts) mit mehreren Partnern weiterzuentwickeln.

Learning Toolbox (LTB) Chronik, Jahrgang 1, 2/2014

Artikel 1/2014 Von “Sharing Turbine” zum aktuellen Konzept “Learning Toolbox”

Pekka Kämäräinen

Dieser Artikel ist der Erste in einer Serie von vier Artikeln über die jüngsten Aktivitäten des Learning Layers Projekts im Bausektor. Insgesamt beschreiben sie die Prozesse des partizipativen Designs und die Initiativen zur Anwenderbeteiligung – insbesondere in Zusammenarbeit mIt dem Praxispartner Bau-ABC. Dieser Artikel schildert die Evolution der Designidee vom Ausgangspunkt “Sharing Turbine” zum aktuellen Ansatz “Learning Toolbox”.

Sharing Turbine: Digitale Unterstützung für Lernprozesse im Rahmen des Weissen Ordners des Bau-ABC

In der Designkonferenz in Helsinki in März 2013 entschied das Projektkonsortium über vier ursprüngliche Designideen. Eine von diesen war die Designidee “Sharing Turbine”. Das Ziel war es, digitale Unterstützung für arbeitsbezogene Lernprozesse anzubieten, die im Rahmen des Weissen Ordners des Bau-ABC organisiert und durchgeführt werden. Ursprünglich wurde der Weisse Ordner als Instrument der Auszubildenden konzipiert – mit Arbeitsblättern zur Arbeitsvorbereitung, Projektplanung, Berichterstattung und Qualitätskontrolle. Aber als dicker papierbasierter Ordner war er in echten Arbeitssituationen kaum anwendbar.

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Nach einer Reihe partizipativer Workshops wurde im lokalen Designprozess zunächst entschieden, dass bestimmte Gewerke als Pilotbereiche fungieren sollten. In dieser Phase wurden die Projekte der Auszubildenden im Rohrleitungsbau intensiver analysiert. Wir versuchten besondere Lösungen finden, um diese Arbeitsprojekte mit Hilfe von Multimedia, Web 2.0 Tools und mobilen Apps zu unterstützen.

Co-Design Workshops: Diskussionen, Storyboards, Design Meetings, Multimedia Training

Nach der  Designkonferenz organisierten die Teams von ITB und Pontydysgu verschiedene Co-design Workshops im Bau-ABC. In diesen Workshops arbeiteten in getrennten Sitzungen einmal Auszubildende und zum anderen Lehrwerkmeister und Projektleiterinnen mit.

  • Die ersten Workshops waren Conversational workshops, die in offenen Diskussionen design-relevante Probleme und Gestaltungsimpulse identifizierten.
  • In der nächsten Phase arbeiteten die Auszubildenden und Lehrwerkmeister mit Storyboards. Sie bereiteten Poster vor, um Arbeitsabläufe eines typischen Arbeitstages (sowohl in der Ausbildungsstätte als auch in den Betrieben) zu visualisieren. Diese Workshops haben uns geholfen, verschiedene kritische Fragen, Kommunikationslücken sowie Herausforderungen an den Austausch von Wissen zu identifizieren.
  • Im Übergang vom Ausgangspunkt zu mehr gomänenspezifischen Pilotmassnahmen wurden die Begegnungen mit den Lehrwerkmeistern zu Design Meetings, die ganz spezifische Projektaufgaben und Lösungsansätze zur Diskussion brachten.
  • Parallel zu diesem Übergang eintschieden wir, eine Reihe von Multimedia Training Workshops für die Lehrwerkmeister zu organisieren. Das Ziel war, Bewusstsein über relevante Web Tools und Apps sowie über Anwendungen von Multimedia und Web in der beruflichen Bildung zu erweitern und zu vertiefen.

Learning toolbox: Revision der ursprünglichen Designidee hin zur Entwicklung eines flexiblen Werkzeugkastens

In einer relativ kurzer Weile merkten wir, dass die Digitalisierung aller Inhalte des Weissen Ordners allzu viel Zeit und Aufwand erfordern würde. Das brachte uns zur Revision der ursprünglichen Designidee und zur Arbeit mit einem neuen Ansatz ab Januar 2014.

Die Entwicklung des neuen Ansatzes “Learning Toolbox” verschob unsere Aufmerksamkeit von der Digitalisierung der vorhandenen Dokumente zur Konzipierung einer Bildschirmoberfläche für mobile Geräte. Mit einer neuen Kachelstruktur kann man den Zugriff zu relevanten Webressourcen und digitalen Inhalten leichter steuern. Dadurch kann man eine webbasierte bzw. digital gespeicherte Ressourcenumgebung rund um den Weissen Ordner gestalten.

Ein grosser Vorteil dieses Ansatzes ist, dass man flexibler die Einbettung digitaler Inhalte in die jeweiligen Projektaufgaben organisieren kann, anstatt alle Materialien für den gegebenen Projektbereich gleich zu Anfang einzuführen. Zum zweiten bietet dieser Ansatz mehr Offenheit für die Verzahnung des Lernens in Betrieben und in der überbetrieblichen Ausbildungsstätte sowie in den Berufsschulen. Jetzt kann man Bilder, Audio, Video oder Text selbständig speichern, austauschen und zur Diskussion stellen – und damit Lernerfahrungen aus dem Betrieb sowie aus der Ausbildungsstätte vertiefen.

Mit Hilfe einer mächtigen Suchmaschine können wir eine ganze Menge Blogs, Wikis und Webseiten (z.B. die Plattform BauBildung.net) durchsuchen, um projektrelevante Informationen oder Anregungen zu finden. Zusätzlich wird die Benutzeroberfläche der Learning Toolbox so gestaltet, dass man sie mit Handschuhen bedienen kann. Jede Kachel ist eine unabhängige App an sich und ermöglicht deshalb auch flexible Umsetzungen für verschiedene Situationen bzw. Anwendergruppen.

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Vom Werkzeugkasten für Ausbildung zu flexiblen Toolboxen für verschiedene Anwender im Bausektor

Ursprünglich hat auch die Idee der Learning toolbox sich aus der Unterstützung des Lernens der Auszubildenden (im Zusammenhang der Projektarbeiten mit den Weissen Ordnern) entwickelt. Aber die neuen Anpassungsmöglichkeiten erweitern die Chancen auch für betriebliche Anwendungen (z.B. in der Optimierung von Arbeitsprozessen sowie im arbeitsbezogenen Austausch von Wissen). Dadurch wird die Toolbox als ein integrativer Werkzeugkasten gestaltet, den man mit einem QR-Scanner und anderen Funktionalitäten bereichern kann. Diese Chancen und Erweiterungsperspektiven muss man in einer neuen Reihe von Pilotworkshops testen. Das erlebten wir schon in den ersten Verbreitungsaktivitäten, die wir bald nach dem Entwerfen der ersten Präsentationen über die Learning Toolbox begannen.

Learning Toolbox (LTB) Chronik, Jahrgang 1, 1/2014

LTB Videos vom Bau-ABC Team (2014) – Überblick

Die vom Bau-ABC Team hergestellten Videos informieren über die Aktivitäten im Learning Layers Projekt und die Planungen für die nächste Zeit.

LTB Video 1/2014 Multimediatraining von Learning Layers hat Wirkung

Das erste Video handelt von den Ergebnissen des Multimediatrainings und davon wie die Ausbilder ihre eigenen Blogs entwickelten.

LTB Video 2/2014 Lehrwerkmeister des Bau-ABC über die Learning Toolbox in der Erstausbildung

Das zweite Video zeigt die Einstellungen und Erwartungen der Ausbilder zu den Möglichkeiten, die Learning Toolbox in der Ausbildung einzusetzen.

LTB Video 3/2014 Anwendung der Learning Toolbox in Ausbildungsprojekten des Bau-ABCs

Das dritte Video zeigt, wie die Auszubildenden ihre Ausbildungsprojekte durchführen und wo und wie die Learning Toolbox dabei hilfreich sein kann.

LTB Video 4/2014 Learning Toolbox in verschiedenen Arbeitssituationen im Bausektor

Das vierte Video zeigt mögliche Anwendungen der Learning Toolbox bei unterschiedlichen Arbeitsaufgaben.

LTB Video 5/2014 Learning Toolbox als Wegweiser im Arbeits- und Gesundheitsschutz

Das fünfte Video zeigt Anwendungen für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz.

LTB Video 6/2014 Anwendung der Learning Toolbox für Instruktionen am Arbeitsplatz

Das sechste Video handelt davon, wie die Toolbox dazu benutzt werden kann, das ‚wie macht man’s eigentlich’ unterschiedlicher Gewerke einzufangen.

LTB Video 7/2014 Anwendung der Learning Toolbox im Anschlagsmittellager

Das siebte Video zeigt, wie die Toolbox die Zusammenstellung der nötigen Werkzeuge unterstützt.

 

LTB Video 2/2014 Lehrwerkmeister des Bau-ABC über die Learning Toolbox in der Erstausbildung

Im zweiten LTB-Video diskutieren vier Lehrwerkmeister Möglichkeiten, die Learning Toolbox in der beruflichen Erstausbildung einzusetzen.

Die Lehrwerkmeister betonen zunächst, dass sie die Rolle der Learning Toolbox vor allem in der Unterstützung des handlungsorientierten und selbstorganisierten Lernens sehen. Zum zweiten erzählen sie, wie die Azubis mit Hilfe der Learning Toolbox ihre Aufgaben kreativer ausführen können (z.B. mit hinzugefügten Photos, Cartoons oder Videos). Die Lehrwerkmeister sind bereit, die Learning Toolbox in die Ausbildungen ihrer Gewerke einzuführen, beginnend mit ausgewählten Projekten der Azubis. Dieses Ziel wird auch in dem “Bonus Track” mit Lehrwerkmeister Lothar Schoka am Ende des Videos unterstrichen.

 

LTB Video 3/2014 Anwendung der Learning Toolbox in Ausbildungsprojekten des Bau-ABCs

Im dritten LTB-Video diskutieren Projektleiterin Melanie Campbell und Azubi Martin die Möglichkeiten, die Learning Toolbox in Ausbildungsprojekten des Bau-ABC zu verwenden.

Martin zeigt zuerst (mit Hilfe der Arbeitsblätter aus dem Weissen Ordner des Bau-ABCs), wie solche Projekte zur Zeit durchgeführt werden. Er präsentiert Aufgabenstellungen und Arbeitsblätter, die für Arbeitsvorbereitung, Planung, Dokumentation und Qualitätskontrolle angewendet werden. Dann diskutieren Melanie Campbell und Martin einzelne Punkte und Phasen, in denen ein digitales Werkzeug wie die Learning Toolbox nützlich sein kann. Insbesondere geht es um einen schnellen und direkten Zugang zu relevanten Webressourcen. Zum Schluss präsentiert Martin das Endprodukt und wir sehen, wie das Funktionsprinzip des Werkstücks mit  einem Videofilm dokumentiert werden kann.

LTB Video 4/2014 Learning Toolbox in verschiedenen Arbeitssituationen im Bausektor

Das vierte LTB-Video zeigt Beispiele, wie man die Learning Toolbox in verschiedenen Arbeitssituationen im Baubereich einführen kann.

Zuerst treffen wir Azubi Arnold an seinem Arbeitsplatz und sehen, wie er seinen Bagger fährt. Er steuert sein Fahrzeug wie gewöhnlich, hat aber bei Fragen oder besonderen Situationen die Möglichkeit, weitere Instruktionen zu finden. Diese bekommt er, genau auf seine Maschine bezogen, mit Hilfe eines QR-Codes, den er mit seinem Smartphone lesen kann. Dann treffen wir Azubi Martin, der demonstriert wie man den QR-Scanner der Learning Toolbox benutzt. Zum Schluss zeigt der Lehrwerkmeister  Markus Pape, wie die Hersteller Instruktionen für Gerüstbauer zugänglich machen. Seine Empfehlung ist, auch bei Gerüsten QR-Codes zu verwenden und so etwa auch die Aufbauanleitung mit der Learning Toolbox lesen zu können.

LTB Video 5/2014 Learning Toolbox als Wegweiser im Arbeits- und Gesundheitsschutz

Das fünfte LTB-Video zeigt, wie man die Learning Toolbox als Wegweiser im Arbeits- und Gesundheitsschutz anwenden kann – sowohl in der Werkstatt als auch an mobilen Arbeitsplätzen.

Wir treffen zuerst Azubi Martin und Projektleiterin Melanie Campbell im Gespräch über das Themenfeld ‘Arbeits- und Gesundheitsschutz’ und wie es aktuell mit den Arbeitsblättern (aus dem Weissen Ordner) eingeführt wird. Dann geben sie Beispiele, wie die Learning Toolbox in Echtzeit wichtige Informationen auch in kritischen Situationen liefern kann. Danach treffen wir eine Gruppe von Azubis, die Gerüste bauen. Hier sehen wir, wie die Azubis ordentlich mit persönlicher Schutzausrüstung gekleidet sind. Der Lehrwerkmeister Markus Pape gibt Beispiele, welche Art von Webressourcen für Arbeits- und Gesundheitsschutz man mit Hilfe der Learning Toolbox nutzen kann.